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Analyse der Begutachtungsdaten privatversicherter Pflegebedürftiger und mögliche Implikationen für die gesetzliche Pflegeversicherung

Christine Arentz, Henri Winter and Jan-Henrik Simon

No 3/2025, Forschung am ivwKöln from Technische Hochschule Köln – University of Applied Sciences, Institute for Insurance Studies

Abstract: Hintergrund: Seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs 2017 ist die Anzahl der Leistungsempfänger in der gesetzlichen Pflegeversicherung deutlich über das demografisch zu erwartende Ausmaß angestiegen. In der Folge sind die Beitragssätze in der Sozialen Pflegeversicherung und die Prämien in der Privaten Pflegepflichtversicherung wiederholt gestiegen. Dieser Beitrag analysiert die Charakteristika der Erstantragsteller in der privaten Pflegepflichtversicherung mit einem Fokus auf Pflegegrad 1, um Präventionspotentiale für die Versicherten und Reformelemente für die gesetzliche Pflegeversicherung zu identifizieren. Methodik: Die Datenerhebung erfolgte durch die Medicproof GmbH im Rahmen der Pflegebegutachtung der Privatversicherten in Deutschland, die von 2017-2023 einen Erstantrag auf Leistungen der Privaten Pflegepflichtversicherung stellten. Die Daten wurden in aggregierter Form zur Verfügung gestellt und mit deskriptiven Methoden ausgewertet. Ergebnisse: Über 70% der Erstanträge enden in einer Einstufung in Pflegegrad 1 oder 2. Versicherte in höheren Pflegegraden sind eher männlich und tendenziell jünger. Sie erhalten ein hohes Maß an professioneller Pflege, wohingegen Versicherte in Pflegegrad 1 zu 83% ausschließlich von privaten Pflegepersonen gepflegt werden. Versicherte in Pflegegrad 1 haben vor allem leichte Einschränkungen im Bereich der Mobilität. Daraus ergeben sich Einschränkungen im Bereich der Selbstversorgung und im Umgang mit Krankheits- und therapiebedingten Anforderungen. 30% der Pflegebedürftigen in Pflegegrad 1 werden bereits innerhalb eines Jahres hochgestuft, dabei verschlechtern sich vor allem die Mobilität sowie kognitive und kommunikative Fähigkeiten. Schlussfolgerung: Von dem erleichterten Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung profitieren in Pflegegrad 1 vor allem Pflegebedürftige mit leichten Einschränkungen, die vor allem Unterstützung bei der Selbstversorgung und dem Umgang mit Krankheits- und therapiebedingten Anforderungen benötigen. Diese Gruppe benötigt häufig noch keine inhärente pflegerische Unterstützung. Allerdings werden viele innerhalb eines Jahres aufgrund von Verschlechterungen in präventionssensitiven Bereichen in einen höheren Pflegegrad eingestuft. Die zunehmende finanzielle Beanspruchung der Pflegeversicherung unterstreicht die Notwendigkeit, Ressourcen bedarfsgerechter einzusetzen und Prävention als zentralen Bestandteil der Leistungserbringung zu stärken.

Keywords: Pflegeversicherung; Pflegebedürftigkeit (search for similar items in EconPapers)
JEL-codes: H H5 H55 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2025
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DOI: 10.57684/COS-1308

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Page updated 2025-12-13
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