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306.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige fehlen: Eine Betrachtung der Entwicklung von Bestand und Bedarf an Betreuungsplätzen

Wido Geis-Thöne

No 40/2024, IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute

Abstract: Der Betreuungsausbau schreitet derzeit kaum noch voran. So lag die Zahl der institutionell betreuten Kinder im Alter von unter drei Jahren im Jahr 2024 mit 848.000 sogar niedriger als im Vorjahr mit 857.000. Allerdings ist ihr Anteil an allen Kindern in der Altersgruppe von 36,4 Prozent auf 37,4 Prozent gestiegen. Ursächlich hierfür ist, dass vor dem Hintergrund eines Rückgangs der Geburtenzahlen immer weniger Kinder in Deutschland leben. Waren es am 31. Dezember 2018 noch 2,38 Millionen unter Dreijährige, so lag ihre Zahl am 31. Dezember 2023 nur noch bei 2,27 Millionen. Besonders betroffen sind dabei die ostdeutschen Bundesländer, wo der Geburtenrückgang deutlich früher eingesetzt hat als im Westen. In Ostdeutschland sind die Zahlen der unter Dreijährigen in Betreuung auch besonders stark zurückgegangen, wohingegen sie in einigen westdeutschen Ländern zwischen den Jahren 2023 und 2024 noch zugenommen haben. Rechnet man den Bedarf an Betreuungsplätzen für unter Dreijährige aus einer im Auftrag des Bundesfamilienministerium durchgeführten Befragung von Eltern zum Thema hoch, kommt man für das aktuelle Jahr auf insgesamt 1,15 Millionen Plätze. Dabei wünschen sich die Eltern in den letzten Jahren immer häufiger einen Betreuungsplatz. Dennoch lag der Gesamtbedarf vor Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2019 mit 1,18 Millionen Plätzen vor dem Hintergrund der größeren Kinderzahl noch leicht höher. Stellt man diesen Bedarf mit der Zahl der unter Dreijährigen in Betreuung gegenüber, ergibt sich für das aktuelle Jahr 2024 eine Lücke von 306.000 Plätzen, was 13,6 Prozent der Kinder in diesem Alter entspricht. Im Jahr 2019 lag die Betreuungslücke mit 358.000 noch etwa ein Sechstel höher. Für die nächsten Jahre zeichnet sich vor dem Hintergrund der weiter rückläufigen Geburtenzahlen überall in Deutschland ein Rückgang der Kinderzahlen ab. Im Osten dürfte vor diesem Hintergrund ein Rückbau der Betreuungsinfrastruktur unumgänglich sein. Allerdings sollten die dabei freiwerdenden personellen Ressourcen erhalten bleiben und für eine Stärkung der Qualität der Betreuung eingesetzt werden. Hingegen muss der Betreuungsausbau im Westen trotz der geringeren Kinderzahlen auch weiterhin forciert vorangetrieben werden, da hier noch wesentlich größere Lücken bestehen und Betreuungswünsche der Eltern voraussichtlich auch noch weiter zunehmen werden.

JEL-codes: I20 J11 J13 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2024
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