Migration und Wohnen: Ökonomische Effekte und soziale Implikationen Expertise für den Sachverständigenrat für Integration und Migration
Pekka Sagner and
Michael Voigtländer
No 24/2026, IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute
Abstract:
Die Studie beleuchtet das Zusammenspiel von Migration und Wohnungsmarkt in Deutschland und verbindet eine Bestandsaufnahme zentraler Markttrends mit einer empirischen Auswertung repräsentativer Haushaltsdaten (SOEP). Ausgangspunkt ist ein Markt, der sich seit den 2010er-Jahren von langen Phasen der Stagnation zu anhaltender Knappheit entwickelt hat, getragen von einem positiven Außenwanderungssaldo, teilweise starker Binnenwanderungskonzentration, Einkommenszuwächsen und lange niedrigen Zinsen, zuletzt jedoch gebremst durch den Zinsanstieg und den Einbruch der Bautätigkeit. Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland eine "Mieternation" mit niedriger Wohneigentumsquote; zugleich wächst die Zahl der Haushalte weiter, besonders in wirtschaftlich starken Städten. Deskriptiv wird gezeigt: Die Wohnfläche pro Kopf ist langfristig gestiegen, Unterschiede zwischen Eigentümern und Mietern sowie nach Migrationshintergrund bleiben jedoch bestehen. Subjektiv empfinden vor allem Mieterhaushalte mit direktem Migrationshintergrund häufiger ihre Wohnung als zu klein. Bei den Wohnkosten (definiert als Bruttokaltkosten; bei Eigentümern kalte Nebenkosten plus Zins-/Tilgung) verlaufen die durchschnittlichen Mietkosten von Migranten und Nicht-Migranten nahezu deckungsgleich; bei Eigentümern liegen die laufenden Kosten von Haushalten mit direktem Migrationshintergrund höher, unter anderem, weil häufiger Finanzierungen bedient werden. Beim Anteil der Wohnkosten am Nettoeinkommen (Wohnkostenbelastung) zeigt sich in beiden Gruppen ein stabiler Abstand zulasten von Migrantenhaushalten. Ökonometrisch werden multivariate Modelle mit umfangreichen Kontrollen (Haushalts- und Wohnungsmerkmale, Region, Jahr) sowie eine "Umzieher"-Perspektive (kurze Wohndauer) geschätzt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich Unterschiede weniger in den nominalen Wohnkosten als vielmehr in der relativen Belastung manifestieren: Haushalte mit direktem Migrationshintergrund tragen, unter sonst gleichen Bedingungen, häufig eine um rund 1 bis 2 Prozentpunkte höhere Wohnkostenbelastung als vergleichbare Nicht-Migrantenhaushalte; dieses Muster findet sich bei Mietern und Eigentümern und wird durch die Umzieher-Analyse grundsätzlich gestützt. Die Befunde sind als robuste Zusammenhänge zu verstehen; kausale Mechanismen (z. B. Präferenzen, Netzwerke, Diskriminierung) sind in Haushaltsdaten nur begrenzt direkt beobachtbar. Politisch legt die Studie nahe: Engpässe lassen sich primär durch mehr Angebot lindern; schnellere Plan- und Genehmigungsprozesse, produktiveres Bauen, serielle Replikation und bessere Baulandmobilisierung. Flankierend sollte die Subjektförderung (Wohngeld) zielgenau entlasten. Sozial geförderter Wohnraum kann Zugangsbarrieren für benachteiligte Gruppen adressieren, wenn Vergabekriterien konsequent am Zugangsproblem orientiert sind und Bindungen wirksam genutzt werden. Strengere Mietpreisregulierungen bergen dagegen das Risiko, das Angebot weiter zu verknappen. Insgesamt spricht viel dafür, Migration als wirtschaftliche Chance zu sichern, durch ausreichend, bezahlbaren Wohnraum und faire Zugangschancen auf angespannten Märkten.
JEL-codes: I32 J61 R21 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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