EconPapers    
Economics at your fingertips  
 

Globale Ungleichgewichte: Wo liegen die größten Anpassungslasten

Jürgen Matthes, Gero Kunath and Samina Sultan

No 28/2026, IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute

Abstract: Die globalen Ungleichgewichte haben in den letzten Jahren zugenommen. Das gilt vor allem für den zuletzt deutlich gestiegenen Leistungsüberschuss Chinas und das höhere Leistungsbilanzdefizit der USA. In der EU und im Euroraum ist eher eine Seitwärtsbewegung auf moderat hohem Niveau festzustellen, zuletzt mit sinkender Tendenz. Der lange hohe Leistungsüberschuss Deutschlands hat seit 2020 und am aktuellen Rand auch deutlich abgenommen. Auch bei der Beurteilung der strukturellen und wirtschaftspolitischen Ursachen zeigen sich ähnliche Unterschiede zwischen den betrachteten Ländern, an denen alle jeweiligen Regierungen gemeinsam ansetzen müssen, um die gestiegenen globalen Ungleichgewichte zu mindern: EU und Euroraum bewegen sich in den letzten Jahren in die richtige Richtung mit Blick auf die Hauptursache des Leistungsbilanzüberschusses, die in einer zuvor mangelnden Investitionstätigkeit liegt. Das gilt etwa für den Corona-Aufbaufonds, der vor allem gemeinschaftlich finanzierte Investitionen in die digitale und grüne Transformation fördert. Private Investitionen werden stärker angereizt durch aktuell laufende Bürokratiereformen der EU sowie eine ernsthafte Initiative wichtiger Mitgliedstaaten für eine Spar- und Investitionsunion. Hier kommt es auf eine konsequente Umsetzung dieser Vorhaben an. Auch der DraghiBericht zeigt vielfältige Wege zur Steigerung von privaten und öffentlichen Investitionen vor, denen EU und Mitgliedstaaten freilich noch stärker folgen sollten. Deutschland hat zwar weiterhin einen relativ hohen Leistungsbilanzüberschuss. Doch sowohl dessen merklich sinkende Tendenz als auch die deutliche Steigerung der staatlichen Investitionen weisen klar in die richtige Richtung, wobei auf eine effektive Umsetzung zu achten ist. Zudem sollte die Bundesregierung die begonnenen Reformen für eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und für mehr private Investitionsanreize noch verstärken. In den USA ist der Handlungsbedarf dagegen anhaltend hoch. Es geht vor allem um die Reduzierung des Staatsdefizits, etwa durch eine Stärkung der Staatseinnahmen, da hier die wesentliche Ursache des hohen Leistungsbilanzdefizits liegt. Importzölle sind dagegen keine geeignete Maßnahme zur nachhaltigen Minderung des Leistungsbilanzdefizits. Aufgrund der deutlich höheren Nettoauslandsverschuldung kommen sogar erste Sorgen vor einer potenziellen Finanzkrise auf, da die Finanzierungsstruktur der Auslandsschuld fragiler geworden ist und die erratische Politik der US-Administration für Verunsicherung sorgt. In China ist der Handlungsbedarf am größten, vor allem weil der Leistungsbilanzüberschuss zuletzt deutlich gestiegen ist und weil die Politik den weiter gestiegenen großen Reformanforderungen bislang, wenn überhaupt, nur in zaghaften Ansätzen nachkommt. Zudem ist das Ausmaß des nötigen Rebalancing in China immens, vielfältig und systemisch. [...]

Date: 2026
References: Add references at CitEc
Citations:

Downloads: (external link)
https://www.econstor.eu/bitstream/10419/342424/1/1974165965.pdf (application/pdf)

Related works:
This item may be available elsewhere in EconPapers: Search for items with the same title.

Export reference: BibTeX RIS (EndNote, ProCite, RefMan) HTML/Text

Persistent link: https://EconPapers.repec.org/RePEc:zbw:iwkrep:342424

DOI: 10.67087/12.21268

Access Statistics for this paper

More papers in IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute Contact information at EDIRC.
Bibliographic data for series maintained by ZBW - Leibniz Information Centre for Economics ().

 
Page updated 2026-08-01
Handle: RePEc:zbw:iwkrep:342424