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Bürokratielasten aus Sicht der deutschen Chemie -, Pharma - und kunststoffverarbeitenden Industrie: Befragungsergebnisse und Handlungsempfehlungen

Klaus-Heiner Röhl, Edgar Schmitz and Miriam Lammers

No 33/2026, IW-Reports from Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute

Abstract: Die Unternehmen der Chemieindustrie, der pharmazeutischen Industrie und der kunststoffverarbeitenden Industrie sind durch staatliche Bürokratie hoch belastet. Es gibt zahlreiche fertigungs- und produktspezifische Regulierungen, etwa mit der europäischen REACH-Verordnung im Chemikalienrecht, der Wirkstoffherstellungsverordnung (AMWHV) und dem Arzneimittelrecht für die Pharmaindustrie oder auch im Emissionsrecht für industrielle Anlagen. Im Rahmen des IW-Zukunftspanels wurden im Herbst 2025 gut 1.080 Unternehmen zu ihrer Wahrnehmung der Bürokratiebelastung und ihrer Entwicklung, den Gründen für die Zunahmen von Bürokratie und Regulierung sowie den Schwierigkeiten, Bürokratie wirksam abzubauen, befragt. 90 der teilnehmenden Unternehmen entstammten den Zweigen der Chemieindustrie und Pharmaindustrie sowie der kunststoffverarbeitenden Industrie. 74 Prozent der Unternehmen aus diesen drei teilweise miteinander verbundenen Industriebereichen beklagten in der Befragung eine Zunahme der Bürokratiebelastung innerhalb der vergangenen drei Jahre, 15 Prozent der Unternehmen mussten zur Bewältigung des Anstiegs zusätzliches Personal einstellen. Fast drei Viertel der Unternehmen beklagen, dass Verwaltungsbeschäftigte Ermessensspielräume nicht angemessen ausschöpfen und fast ebenso viele Unternehmen kritisieren ein aus ihrer Sicht schleppendes Bearbeitungstempo der Behörden. Als Maßnahmen gegen die zunehmende Bürokratisierung empfehlen die befragten Unternehmen, sowohl vor der Einführung neuer Gesetze im legistischen Prozess als auch beim Bestand anzusetzen, indem die vorhandenen Gesetze systematisch auf Sinn und Wirksamkeit bei der Erreichung der angestrebten Ziele überprüft werden. Eine One-in-two-out-Lösung für Belastungen durch neue Bestimmungen könnte den Gesetzgeber veranlassen, für Belastungen aus neuen Gesetzen konsequent höhere Entlastungen im Bestand umzusetzen - oder eben auf das neue Gesetz zu verzichten. Mehr als 9 von 10 Chemie-, Kunststoff- und Pharmaunternehmen sehen in verschlankten EU-Vorgaben die beste Möglichkeit zum Bürokratieabbau, was auf die hohe Bedeutung der EU-Regulierung für die Branchen hinweist. Fast ebenso viele Firmen plädieren für mehr außergerichtliche Einigungen. Jenseits der Befragungsergebnisse stellen Praxischecks ein Instrument dar, mit dem die zuständigen Bundesministerien gemeinsam mit Behörden und den betroffenen Unternehmen die Wirkungen der Gesetzgebung überprüfen, Widersprüche aufdecken und Verbesserrungen einleiten können.

JEL-codes: D73 E61 L59 (search for similar items in EconPapers)
Date: 2026
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DOI: 10.67087/12.21362

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