ifo Konjunkturprognose 2005/2006: Nur zögerliche Erholung
Gebhard Flaig,
Wolfgang Nierhaus,
Oscar-Erich Kuntze,
Andrea Gebauer,
Steffen Henzel,
Oliver Hülsewig,
Anita Dehne,
Erich Langmantel,
Wolfgang Meister,
Monika Ruschinski,
Bodo Schimpfermann and
Timo Wollmershäuser
ifo Schnelldienst, 2005, vol. 58, issue 12, 29-63
Abstract:
Die Weltwirtschaft hat im laufenden Jahr merklich an Dynamik eingebüßt, nachdem sie 2004 außerordentlich stark gewachsen war. In Deutschland fehlen die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte immer noch fast vollständig. Die gesamtwirtschaftliche Produktion kommt sofort aus dem Tritt, sobald vom Ausland geringere Impulse ausgehen. Für die deutsche Wirtschaft ist eine fundamentale Wachstumsschwäche zu diagnostizieren; das Produktionspotential steigt derzeit nur um 1%, das ist halb so hoch wie im restlichen Euroraum. Die Entwicklung dieses und des kommenden Jahres wird ungefähr dem Trend folgen. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im Jahresdurchschnitt 2005 um 0,8% expandieren, nach 1,6% im Jahr 2004. Im nächsten Jahr dürfte sich das Expansionstempo der gesamtwirtschaftlichen Produktion parallel zur Besserung der Weltkonjunktur wieder leicht beschleunigen; die Zuwachsrate des realen Bruttoinlandsprodukts dürfte sich dann auf 1,2% belaufen. Damit wird die gesamtwirtschaftliche Auslastung der Produktionskapazitäten wieder zunehmen. Die Inflationsrate dürfte trotz des Ölpreisschubs im Durchschnitt des Prognosezeitraums unter der 2-Prozentmarke liegen. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist bisher keine Wende eingetreten. Im Mai dieses Jahres gab es 4,81 Mill. registrierte Arbeitslose; das entspricht einem Anstieg von 510 000 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat. Der überwiegende Teil dieser Zunahme (ca. 360 000) ist auf die im Zuge der Hartz-IV-Gesetzgebung erfolgte Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zurückzuführen. Rechnet man dagegen, dass inzwischen rund 155 000 Zusatzjobs die Statistik entlasten, so dürfte die rein konjunkturelle Zunahme der Arbeitslosigkeit rund 300 000 betragen haben. Erst im nächsten Jahr ist eine leichte Besserung auf dem Arbeitsmarkt zu erwarten. Unter der Annahme, dass bis zum Jahresende 2006 etwa 300 000 Zusatzjobs geschaffen werden, dürfte sich die Zahl der registrierten Arbeitslosen in diesem Jahr auf 4,86 Millionen belaufen, im nächsten Jahr auf 4,76 Millionen. Bei der Entwicklung der Erwerbstätigenzahl ist der Tiefpunkt zwar überwunden, der Anstieg der Erwerbstätigen geht aber einher mit einem Anwachsen der Arbeitslosigkeit, da die neuen Stellen (sog. Minijobs) überwiegend von Schülern, Studenten, Hausfrauen und Rentnern besetzt wurden. Hinzu kamen zahlreiche Ich-AGs und Zusatzjobs. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank dagegen weiter. Im laufenden Jahr ist eine Zunahme der Zahl der Erwerbstätigen auf 38,97 Millionen zu erwarten. Im nächsten Jahr 2006 bei fortschreitender konjunktureller Erholung steigt sie auf 39,24 Millionen. Die Finanzlage der öffentlichen Haushalte bleibt weiter angespannt. Zwar steigen die gesamten staatlichen Einnahmen wieder etwas stärker als die Ausgaben, der Finanzierungssaldo in Relation zum Bruttoinlandsprodukt wird aber in diesem Jahr mit 3,4% zum vierten Mal in Folge das MaastrichtKriterium überschreiten. Im nächsten Jahr wird der Finanzierungssaldo leicht auf 3,1% sinken.
Keywords: Weltkonjunktur; Konjunkturprognose; Wirtschafstwachstum; Konjunkturumfrage; Geschäftsklima; Deutschland; Welt (search for similar items in EconPapers)
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Date: 2005
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